Idiolektik®
Idiolekt = Eigensprache; entspricht der Gesamtheit der individuellen verbalen und nonverbalen Mitteilungsmöglichkeiten einer Person.
Unser Alltag ist von Gesprächen geprägt. Dabei sind Missverständnisse, Unklarheiten, Projektionen oder Konflikte an der
Tagesordnung. Die idiolektische Gesprächsführung vermittelt ein vertieftes Verständnis für Hintergründe und Wirkungen der Gesprächsführung und
zeigt Möglichkeiten auf, besser mit den erwähnten Schwierigkeiten umzugehen.
Ein Hauptgrund für nicht gelingende Kommunikation liegt in der Fehlinterpretation von Gesagtem. Die ursprüngliche Funktion der Sprache lag im
Austausch von Gefühlen zur Stärkung der sozialen Bindungen in der frühmenschlichen Gruppe. Die sachlich-objektbezogene Information auf die sich
heute unser Interesse gewöhnlich in erster Linie richtet, war zunächst zweitrangig. Neben diesen „logischen" Informationen schwingt in jeder
Aussage auch eine „paralogische", eigensprachliche (idiolektische) Mitteilung mit. Diese wird auf der Beziehungs- und Gefühlsebene wirksam und
beeinflusst die Kommunikation entscheidend. Das ist Resonanz.
Die Eigensprache vermittelt sich über Wortwahl, bildhafte Sprachelemente, Stimmlage, Betonung, Körperhaltung, etc.
Verfolgt man im Gespräch mittels bestimmter Techniken die individuelle eigensprachliche Bedeutung der Begriffe die eine
Person verwendet, so eröffnet sich der Zugang zu den physischen und psychischen Mustern, von denen diese Begriffe gefärbt werden. Der Klient
gewinnt Einblicke in seine momentane Situation, die ihm bisher nicht zugänglich waren.
Begründer der Idiolektik war A. David Jonas (1913 - 1986).
Er war als Psychiater in New York, London, Würzburg und Wien therapeutisch und lehrend tätig.
Er betonte die Bedeutung der Eigensprache (des Idiolekts) für das Gespräch und seine Wirkung und entwickelte erste Konzepte.
Die zugrunde liegende „Philosophie" besagt, dass sowohl im Klienten als auch im Berater/in ein selbstorganisierendes Prinzip (=innere Weisheit) existiert.
Diese innere Weisheit schafft unter gegebenen Umständen eine aktuell optimale Verhaltensweise, um zu (über-)leben. Jedes Lebewesen hat demnach seine guten Gründe
(A. D. Jonas), sich in der dargestellten Form zu äußern. Diese Äußerung kommt im Idiolekt in ihrer Gesamtheit zum Ausdruck.
Die Idiolektik ermöglicht durch Fokussierung auf die Eigensprache die Akzeptanz des selbstorganisierendes Prinzips bzw. der inneren Weisheit. Das
idiolektische Gespräch schafft dabei einen Raum, ähnlich einem "Asyl" wo das Gegenüber sein kann wie er/sie ist und seine Ressourcen erkennen
und nutzen kann. Anerkennung ist die unverzichtbare Voraussetzung für Veränderung." (Blaise Pascal)
Die idiolektische Gesprächsführung ist äußerst vielseitig anwendbar im ärztlichen und therapeutischen Gespräch, in jedem
helfenden und beratenden Beruf, im Umgang mit Kindern, aber auch im geschäftlichen Bereich in Gesprächen mit Kunden, Mitarbeitern und Kollegen.
Überall da, wo authentische Information unsere Kommunikation leichter und effektiver gestalten kann.